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Frau Dr. med. Marita Amm berichtet über die Lamelläre Formen der Hornhauttransplantation

Lamelläre Formen der Hornhauttransplantation:

Die Hornhaut, ein 5-schichtiges transparentes Gewebe (Abb. 1), bildet die vordere Begrenzung des Auges. Sie ist quasi das durchsichtige Fenster, die Eintrittspforte in das Augeninnere. Nur durch eine klare Hornhaut können unsere Seheindrücke ungehindert auf die Netzhaut treffen und weiter verarbeitet werden. Nur mit einer klaren Hornhaut ist gutes Sehen möglich!

Abb.1

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Verletzungen, Entzündungen, degenerative, aber auch angeborene oder vererbte Erkrankungen unterschiedlicher Art können die Transparenz und die Abbildungsqualität der Hornhaut und damit das Sehvermögen verändern und oft dauerhaft verschlechtern.

Durch eine Hornhautverpflanzung, eine sog. Keratoplastik, kann die ursprüngliche Durchsichtigkeit wiederhergestellt werden. Die erste erfolgreiche durchgreifende Hornhauttransplantation führte Eduard Zirm vor mehr als 100 Jahren im Dezember 1905 durch. Seit dieser Zeit haben sich die technischen Errungenschaften, aber auch unser immunologisches Verständnis für die Gewebeinteraktionen immer höher entwickelt.

Bei der durchgreifenden Hornhautverpflanzung, der perforierenden Keratoplastik, werden alle 5 Schichten einer Spender-Hornhaut auf den Empfänger übertragen (siehe Abb. 1).

Dieses OP-Verfahren wird eingesetzt bei Hornhautveränderungen, die alle Schichten beeinträchtigen wie z.B. nach Verletzungen, Hornhautentzündungen, bei Hornhautdystrophien.

Abb. 2:

A 1

Die durchgreifende Hornhautverpflanzung (Abb. 2) war bis vor einigen Jahren das Standardverfahren zur Behandlung aller Hornhauterkrankungen. In vielen Fällen ist dadurch eine gute Wiederherstellung des Sehvermögens möglich. Allerdings muß mit einer Heilungszeit von mindestens 1 Jahr gerechnet werden, zur Vermeidung einer Abstoßungsreaktion des Fremdmaterials ist eine längerfristige Therapie mit Kortison-haltigen Augentropfen notwendig. In manchen Fällen behindert eine irreguläre Hornhautverkrümmung das Sehergebnis, sodass trotz klarer Hornhaut keine befriedigende Sehschärfe mit Brille erreicht werden kann. Harte Kontaktlinsen können dann versucht werden.

In den letzten 8 Jahren haben sich bei bestimmten Erkrankungen lamelläre Operationstechniken entwickelt und zunehmend an Bedeutung gewonnen. Bei einem lamellären Operationsverfahren werden nicht mehr alle Hornhautschichten verpflanzt, sondern nur die erkrankten Schichten. Entscheidender Vorteil dieser neuen Methoden liegt in einer rascheren Heilung verbunden mit schnellerer Sehschärfenerholung. Die Abstoßungsreaktion ist im Vergleich zur durchgreifenden Keratoplastik deutlich geringer.

Man unterscheidet vordere und hintere lamelläre Techniken:

  • tiefe vordere lamelläre Keratoplastik (deep anterior lamellar keratoplasty: DALK) (Abb. 3, intraoperativer Eindruck)  Diese Technik ist geeignet für krankhafte Veränderungen der Hornhaut im vorderen Anteil bis zur Grenzfläche der Descemet-Membran (siehe Abb. 1): z.B. für nicht durchgreifende Narben und v.a. für das Krankheitsbild des Keratokonus (stadienabhängig).

Abb.3:

A 3

 

  • hintere lamelläre Keratoplastik, die sog. Descemet Membran Endothel Keratoplastik (DMEK) (Abb. 4, intraoperativer Eindruck) Bei der DMEK-Operation wird nur die erkrankte Hornhautinnenschicht, das sog. Endothel (siehe Abb. 1) ausgetauscht.

Abb. 4:

A 4

Diese Technik hat sich in unserem OP-Zentrum zum Standardverfahren für Patienten entwickelt, die an der sog. Fuchs Endotheldystrophie leiden. Auch Patienten, deren Hornhaut nach einer Grauen Star-Operation Endothel – Veränderungen entwickelt, können von dieser OP-Möglichkeit profitieren. Weitere Indikationsgebiete sind die sog. PEX-Keratopathie und Veränderungen der inneren Hornhautschicht nach bereits durchgreifender Keratoplastik.

Entscheidender Vorteil dieses Verfahrens ist die rasche Wundheilung, sodass eine gute Sehverbesserung bei erfolgreicher Transplantation bereits nach wenigen Wochen eintritt. Das hauchdünne Transplantat ( ca. 5 µm) muß nicht mehr mittels Naht verankert werden, sondern wird durch Luft oder kurz wirksames Gas (SF6, 20%) an die Hornhautrückfläche des Spenderauges angedrückt. Der Patient, der stationär operiert wird, muß deshalb direkt nach der Operation für 24 bis 48 Stunden eine intensive flache Rückenlage einhalten, sodass sich durch den Auftrieb von Luft bzw. Gas das Spenderscheibchen an die verbliebenen vorderen Hornhautanteile des Patienten anlegen kann. Eine operativ induzierte Hornhautverkrümmung tritt bei diesem Verfahren nicht auf, da keine Nähte erforderlich sind.

Auch bei der DMEK sind nach der Operation engmaschige regelmäßige Kontrollen notwendig. Manchmal kann sich das Transplantat in den ersten Tagen postoperativ nochmals lösen, für den Patienten meist selbst als ein vernebelter Seheindruck erkennbar. Durch eine rasche Lufteingabe in den vorderen Augenabschnitt läßt sich diese Situation in der Regel gut beheben.

Die notwendige postoperative Therapie mit Kortison-haltigen Augentropfen kann bei der DMEK nach den guten Erfahrungen der letzten Jahre oft nach 6 bis 8 Monate bereits abgesetzt werden. Eine weitere Erleichterung für unsere Patienten!

 

Wir führen in Dillingen sowohl die Technik der durchgreifenden Keratoplastik (typisiert und untypisiert) als auch seit 2 Jahren erfolgreich das lamelläre Verfahren der DMEK durch. Es besteht eine langjährige enge Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG), die hochwertiges Spendermaterial zur Verfügung stellt. Durch die Erfolge der hinteren lamellären Keratoplastik DMEK ist der Bedarf an guten Spenderhornhäuten deutlich angestiegen, die Wartezeiten für ein hochwertiges Transplantat liegen derzeit zwischen 4-6 Monate.

 

Ihre Ansprechpartnerin: Dr. Marita Amm